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Ein wertvoller Rat (2)

In der RBB-Abendschau vom 29. März 2007 forderte Stefanie Vogelsang eine schärfere Kontrolle der Einhaltung des Jugendschutzes.

Frau Vogelsang durfte in der letzten Legislaturperiode in Berlin-Neukölln die Baustadträtin geben, nun hat man ihr – neben anderem – das Gesundheitsressort zugewiesen. Mithin jenen Posten, mit dem man in den nach Parteienproporz besetzten Berliner Bezirksämtern traditionell gern jene Herrschaften bedachte, die von allen anderen nicht gemocht wurden: Vor 25 Jahren die damals noch nicht salonfähigen Grünen, später verschiedene Rechtsaußen. Frau Vogelsang, die gern Bezirksbürgermeisterin geworden wäre, gehört der CDU an. Die Mehrheit im Bezirksparlament bildet ein informelles Bündnis aus SPD, Grünen und PDS (den aktuellen Namen dieser Partei entnehmen Sie bitte Ihrem Einkaufsboten).

Frau Vogelsang also weiß – und ohne Frage steht sie damit weder in der Politik noch in den Gackermedien allein: Insbesondere nach dem Tod eines (oder sollte man sagen: des?) jugendlichen Komatrinkers müsse viel mehr darauf geachtet werden, daß der Jugendschutz auch durchgesetzt werde. Dazu gelte es die Kontrollen zu verschärfen. Und Prioritäten zu setzen. Beispielsweise: Weniger Falschparker zu jagen, dafür das gleiche Personal den Alkoholausschank überwachen zu lassen.

Mal abgesehen davon, daß Strafzettel ordentlich Geld in klamme Kassen bringen – völlig überraschenderweise wurde die Dame nicht gefragt, wie sie sich das denn praktisch vorstelle. So ein Falschparken zieht sich ja wenigstens über Minuten, nicht selten über Stunden hin. So ein illegaler Alkoholverkauf an Jugendliche dauert Sekunden. Und nicht selten geschieht er zudem nach Büroschluß.

Dürfen wir demnächst damit rechnen, daß Mitarbeiter des Ordnungsamtes oder gar der Polizei in gut getarnten Fahrzeugen an Tankstellen auf der Lauer liegen, um im Zweifelsfalle blitzschnell überprüfen zu können, ob jener junge Mensch, der da gerade einen Sixpack erworben hat, auch schon zwanzig ist? (Die kommenden Maßnahmen verschärfter Nannydiktatur, äh, verbesserten Jugendschutzes schon einmal berücksichtigt. Ab einem bestimmten Alter findet die erregte Öffentlichkeit Komasaufen nämlich nicht mehr so schlimm: Hauptsache, es betrinken sich keine Minderjährigen!)

Natürlich: Mit der umfassenden Kameraüberwachung jedes, und zwar grundsätzlich jedes, Raumes, dem fortwährenden Abgleich biometrischer Daten und wahrscheinlich mit Funkchips, welche man Jugendlichen – nur zu ihrem Besten! – einpflanzt, wird all das bald kein Probleme mehr sein. Aber bis dahin läuft es doch wohl auf den Einsatz Informeller Mitarbeiter hinaus.

Woraus sich ganz neue Koalitionen ergeben könnten. Vielleicht wird’s da ja doch noch was mit dem Bürgermeistersessel für Frau Vogelsang?

 

Nachtrag: Im Frühjahr 2009 wurde Frau Vogelsang, auf Anregung und mit den Stimmen einiger Bezirksverordneter der CDU, als Stadträtin abgewählt. Trotz weiteren heftigen Widerstands aus ihrer Partei gelang es ihr im Herbst 2009, nicht zuletzt dank der Schwäche der SPD, das Bundestagsdirektmandat für Neukölln zu erringen. 

 

 

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